Moot Court im Strafrecht

Verstärken Sie das Moot-Court-Team der Viadrina!

 

Liebe Studierende,

verstärken Sie das Team der Viadrina für den bundesweiten Moot Court im Strafrecht 2027!

Im Mai 2027 findet in Berlin der 8. Bundesweite Moot Court im Strafrecht statt – ein Wettbewerb, bei dem sich Teams aus ganz Deutschland in fiktiven Strafverfahren messen. Auch die Viadrina wurde eingeladen, ein Team zu entsenden – und dafür suchen wir nun engagierte Studierende, die bereit sind, sich dieser intensiven und lohnenden Herausforderung zu stellen.

Worum geht es?
Das Viadrina-Team erhält Anfang Januar 2027 eine fiktive Strafakte. Diese wird gemeinsam juristisch analysiert und aus zwei Perspektiven bearbeitet: zwei Studierende übernehmen die Rolle der Verteidigung, zwei die der Staatsanwaltschaft. Beide Seiten entwickeln ihre rechtlichen Positionen, verfassen Plädoyers und üben diese in Probeverhandlungen ein, um sie schließlich im Mai in Düsseldorf vorzutragen.

Was Sie erwartet:
Die mündliche Prüfung macht 37 % der Note im staatlichen Teil des Ersten Staatsexamens aus. Kaum ein Format bereitet Sie so gut darauf vor wie der Moot Court. Sie haben die einzigartige Gelegenheit, juristische Argumentation, freies Sprechen und Teamarbeit auf höchstem Niveau zu trainieren. Davon werden Sie nicht nur im weiteren Studium und Examen, sondern noch im Referendariat profitieren.

Dies funktioniert allerdings nur bei einem hohen Maß an Engagement und Zuverlässigkeit. Bewerber*innen sollten mitbringen:

  • Kenntnisse im Strafrecht, idealerweise aus den Grundkursen,
  • Grundkenntnisse im Strafprozessrecht oder zumindest Bereitschaft, sich darin intensiv einzuarbeiten,
  • Freude am mündlichen Argumentieren und Sicherheit beim Sprechen vor Menschen
  • und vor allem Zeit, um sich dem Projekt über fünf Monate hinweg konzentriert zu widmen.

Betreuung und Anerkennung:
Das Team wird vom Lehrstuhl von Prof. Dr. Erol Pohlreich begleitend unterstützt.

Die Teilnahme wird im Umfang von 4 SWS als Schlüsselqualifikation angerechnet.

Bewerbung:
Interessierte Studierende melden sich bitte mit kurzem Motivationsschreiben (max. eine Seite), Lebenslauf und Notenübersicht bis zum 04. Dezember 2026 per E-Mail an mcstrafrecht@europa-uni.de.

Die Auswahlgespräche finden zeitnah im Dezember 2026 statt.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse und herzliche Grüße

 

Erol Pohlreich

 

Erlenissbericht zum

7. Bundesweiten Moot Court im Strafrecht 2026 in Düsseldorf

 

Auch in diesem Jahr hat die Viadrina wieder mit einem Team am Moot Court Wettbewerb im Strafrecht teilgenommen. Die Pleadings fanden am 15.05.2026 in Düsseldorf statt. Wir haben die Teilnehmer im Nachgang gefragt, welche Erfahrungen sie gesammelt haben und wie sie methodisch vorgegangen sind.

 

1.⁠ ⁠Anfang der Vorbereitung (der Bewerbungsprozess, das Team, Beginn der Arbeit)

Maksymilian Zybon erinnert sich: “Bevor überhaupt an Plädoyers in Düsseldorf zu denken war, musste der Lehrstuhl von Prof. Pohlreich ein Team zusammenstellen. Im Dezember des letzten Jahres wurden aus mehreren Bewerbern nach Bewerbungsgesprächen 5 Studierende ausgewählt – anhand von Fragen aus dem Bereich der Teamfähigkeit und -arbeit sowie eigenen Fragen zum Strafprozessrecht, insbesondere zu Beweisverwertungsverboten. Auf die fachlichen Fragen konnte man sich im Vorfeld vorbereiten, denn es gab eine E-Mail mit dem Thema, über das während des Gesprächs gesprochen werden sollte.

Dass sich die 5 Studierenden im Verlauf der Vorbereitung später in zwei Zweier-Teams aufteilen würden, um die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung zu vertreten, sowie einen Springer, der beide Seiten unterstützte, war zu Beginn noch nicht abzusehen – denn zunächst war allen unklar, auf welcher Seite sie schließlich stehen würden. Während des gesamten Zeitraums standen uns Tobias Werner und Johanna Stahl als Betreuer:innen sowie Herr Prof. Dr. Pohlreich zur Seite.

Die Arbeit begann mit dem Lesen und Verstehen des Sachverhalts, einem Brainstorming zu möglichen Problemen und Schwerpunkten sowie einigen Diskussionen zu unterschiedlichen Ansichten und Rechtsauffassungen. Außerdem wurden mehrere Improvisationsübungen durchgeführt, um Selbstbewusstsein und Flexibilität für Replik und Duplik bei den Verhandlungen in Düsseldorf zu entwickeln. Nach etwa drei Monaten waren die zentralen Probleme erkannt, die materiell-rechtlichen Fragen herausgearbeitet, und die Rechtsansichten der einzelnen Studierenden hatten sich herauskristallisiert – so vergingen bereits die Monate Februar, März und April.”

 

2.⁠ Die Vorbereitung auf den Wettbewerb

Anton Schellin: “Nun wurde es ernster. Die Rollen wurden den jeweiligen Präferenzen entsprechend verteilt, und beide Teams arbeiteten Woche für Woche an der Ausarbeitung der Plädoyers. Dabei stellte die Replik beziehungsweise Duplik die größte der allesamt nicht zu unterschätzenden Herausforderungen dar, was zum Großteil an ihrer begrenzten Finalisierbarkeit lag. Wie soll man bitte eine Erwiderung fertigstellen, die sich auf das vom noch unbekannten Gegner Vorgebrachte bezieht und dies möglichst ausdrucksstark entkräften soll? Die Antwort lautet – wenig überraschend – durch Übung. Durch Übung in Form von mehreren divers ausgestalteten Probepleadings. Nachdem wir mehrere Male vor Johanna und Tobias plädiert hatten, ging es für uns in die Kanzlei Ignor und Partner, wo sich die Rechtsanwältin Frau Dr. Bertheau voller Aufmerksamkeit unseren Vorträgen widmete und anschließend ihre konstruktive Kritik zum Ausdruck brachte. Anschließend folgte ein weiteres Probepleading vor dem Schirmherrn unseres Moot-Court-Teams, Prof. Pohlreich, und Prof. Zehetgruber, die anschließend ebenfalls ihre konstruktive Kritik zum Besten gaben. Das darauffolgende Pleading fand vor dem LG Frankfurt (Oder) statt. Noch nie zuvor waren wir als Team so aufgeregt. Ein richtiger Gerichtssaal, drei echte Richter und natürlich die schweren schwarzen Roben – das Gefühl, gerade Teil einer realen Verhandlung zu sein, wurde lediglich durch die fehlende Angeklagte Z und die gleichfalls abwesenden Justizvollzugsbeamten etwas gedämpft. Schließlich plädierten wir noch gegen das Team unserer „Schwesteruniversität“, der HU Berlin. Das von ihnen mitgebrachte rhetorische Geschick und die positive theatralische Aufladung ihrer Vorträge war erstaunlich und machte großen Eindruck. Auch wir konnten vor allem durch unsere gut strukturierte und gesetzte Vortragsweise glänzen. Nun war es so weit, bald schon hieß es: Auf nach Düsseldorf!”

 

3.⁠ ⁠Das Wochenende in Düsseldorf und der Ablauf des eigentlichen Wettbewerbs

“Am Tag unserer Anreise ging es von der Oderperle an den Rhein, in die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Vor Ort wurden wir herzlich von der Heinrich-Heine-Universität im Botanischen Garten der Universität zu einem Abendempfang geladen. Zweck des Abends war ein erstes Aufeinandertreffen zwischen den Teams und die große Auslosung der Vorrunde. Das Los entschied, die Europa-Universität-Viadrina wurde als letztes gezogen, womit feststand, dass unsere Verteidigung gegen das Team der Rhein-Universität Bochum antritt und unsere Staatsanwaltschaft gegen das Team der Universität Leipzig.

Am Tag des Wettbewerbs ging es im Anzug, gut koffeiniert und mit den Roben unter dem Arm Richtung Landgericht Düsseldorf. Die Pleadings waren das Ergebnis der monatelangen Vorbereitung und in zweimal insgesamt 45 Minuten präsentierten unsere Verteidigung und Staatsanwaltschaft genau diese Erkenntnisse, die wir uns in den Wochen zuvor hart erarbeitet hatten.

Im Anschluss an die Vorrunde ging es weiter zum Oberlandesgericht, wo wir von Hern Dr. Werner Richter, dem Präsidenten des OLG sowie dem Landesjustizminister Dr. Benjamin Limbach mit warmen Worten empfangen wurden. Den Abend ließen wir schließlich ausklingen und nutzten die Gelegenheit, die lebenswerte Stadt Düsseldorf noch ein wenig zu erkunden.” beschreibt Karl Rühl.

 

4.⁠ ⁠Was habt ihr Durch die Teilnahmen gelernt? Warum würdet ihr sie empfehlen (oder auch nicht)?

Jonathan Ho: “Der Moot Court war mehr als nur ein Wettbewerb. Er gab uns einen realistischen Vorgeschmack auf das, was uns später im juristischen Berufsleben erwarten könnte. Bereits in der Vorbereitungsphase lernten wir, im Team zusammenzuarbeiten, juristische Fragestellungen eigenständig zu recherchieren, Sachverhalte kritisch zu analysieren und überzeugende Argumentationslinien zu entwickeln.

Durch die Aufteilung in Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurden wir dazu angeregt, denselben Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Da alle teilnehmenden Universitäten über einen langen Zeitraum denselben Sachverhalt bearbeiteten, mussten wir davon ausgehen, dass viele Teams zu ähnlichen Argumenten gelangen würden. Umso deutlicher wurde uns, dass der Schlüssel zur Überzeugung nicht allein im Inhalt liegt, sondern ebenso in einer klaren Struktur des Plädoyers, einer präzisen Ausdrucksweise und einem sicheren rhetorischen Auftreten. Besonders in Replik und Duplik konnten wir unsere Fähigkeiten im spontanen Reagieren, Antizipieren gegnerischer Argumente, Kontern sowie im freien Sprechen unter Zeitdruck weiterentwickeln.

Erlebnisbericht 5. Moot Court im Strafrecht in Münster

Am 30. und 31.05.2024 fand in Münster der 5. bundesweite Moot Court im Strafrecht statt. Auch die Viadrina trat wieder mit einem Team an.

Asli Konak, Rosa Skiba und Hanna Elisabeth Zien vertraten die Staatsanwaltschaft, Sarah Kleingünther, Denise Köcke und Dominika Luckey stellten die Verteidigung.

 Die sechs Studentinnen sind zwischen dem 2. und 8. Semester und haben sich drei Monate auf diesen besonderen Tag vorbereitet. Der Sachverhalt konfrontierte die Teilnehmerinnen mit einer Sprengstoffexplosion in einem Chemiekonzern, welche mehrere Tote und Verletzte zur Folge hatte. Schwerpunkt der rechtlichen Prüfung waren Fragen rund um die eigenverantwortliche Selbstgefährdung der Geschädigten sowie der Umgang mit möglichen Beweiserhebungs- und Beweisverwertungsverboten nach unterschiedlichen Ermittlungsmaßnahmen. Zuerst fanden sich die Studentinnen in den zwei Teams zusammen. Sie recherchierten, entwarfen die Plädoyers und traten schließlich zu mehreren Probe-Pleadings mit wechselnden Juror*innen gegeneinander an.

Nach der Anreise am Donnerstag wurden die Teams aus elf Universitäten abends im Schloss Münster zu einem ersten Kennenlernen begrüßt. Nach einem Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Klaus Boers zum Thema “Delinquenz im Altersverlauf” wurden die Vorrundenbegegnungen ausgelost. Am Freitagvormittag starteten die Vorrunden in den Räumlichkeiten der Universität Münster. Als Juror*innen waren Richter*innen und Anwält*innen eingeladen, die die Teams bewerteten. Während die Staatsanwaltschaft versuchte, das Gericht von der Verwertbarkeit der Beweise gegen den Angeklagten zu überzeugen, pochte die Verteidigung auf einen Freispruch angesichts gravierender prozeduraler Fehler.

Die Finalrunden um Platz 3 und Platz 1 fanden im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Münster vor einer prominent besetzten Jury statt: Richter am Bundesgerichtshof Dr. Frank Tiemann, Rechtsanwalt Prof. Dr. Michael Tsambikakis und Rechtsanwältin Dr. Maja Lehmann bildeten die Kammer im kleinen und großen Finale und verkündeten die obersten Platzierungen. Die Universität Trier konnte den Wettbewerb für sich entscheiden und wird im nächsten Jahr den Moot Court organisieren und veranstalten.nach der Siegerehrung fand der Tag seinen Ausklang im Innenhof des Juridicums mit Fingerfood, einem regen Austausch und Getränken.

Der Moot Court war für die Teilnehmerinnen nicht nur eine Chance, Neues aus der (staats-)anwaltlichen Praxis zu erlernen. So kann Hanna Zien, 8. Fachsemester, berichten:

„Die Teilnahme am Moot Court ist eine abwechslungsreiche Möglichkeit, dass gelernte Wissen aus dem Studium anzuwenden und mit Studierenden anderer Universitäten in den Austausch zu kommen. Daneben stärkt es die Verbundenheit mit der Uni und man erhält die Möglichkeit, andere Studierende der eigenen Universität aus verschiedenen Semestern kennenzulernen.“

Auch Rosa Skiba, 4. Fachsemester, ist begeistert:

“Der Moot Court war eine super Möglichkeit, in einem tollen Team einmal auszuprobieren, wie es sich anfühlt, vor Gericht zu plädieren und dabei auch noch eine Menge Spaß zu haben.“

Besonderer Dank gilt dem Förderkreis Europa-Universität Viadrina e.V., der Vizepräsidentin für Transfer und Campus Janine Nuyken und den Lehrstühlen von Prof. Dr. Pohlreich, Prof. Dr. Becker und Prof. Dr. Wegner für die Unterstützung, den betreuenden wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen Lisa Klütz und Amadou Sow sowie den weiteren Gastjurorinnen Richterin Kira Colmer und Johanna Mayrhofer.

Vielen Dank für die großartige Organisation und Durchführung der Veranstaltung an Prof. Dr. Heghmanns und sein Lehrstuhlteam von der Universität Münster!

Prof. Dr. Erol Pohlreich

Richter am Kammergericht