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Master-Studiengang Mediation und Konfliktmanagement (M.A./LL.M.)

Zugrundeliegendes Mediationsmodell

Mediation ist ein freiwilliges Verfahren, in dem die Beteiligten mit Unterstützung eines allparteilichen Dritten eigenverantwortlich eine interessenorientierte Lösung erarbeiten. Der Mediationsprozess findet - trotz großer Flexibilität im Detail - in einer sogenannten Phasenstruktur statt (Arbeitsbündnis, Bestandsaufnahme, Interessenermittlung, Lösungserarbeitung, Abschluss), durch welche eine strukturierte, umfassende Klärung der zugrunde liegenden Interessen und denkbaren Einigungsoptionen als das wichtigste Verfahrensziel erreicht werden soll. Neben der Führung des Verfahrens durch die verschiedenen Phasen liegen die wesentlichen Aufgaben des Mediators darin, Verständnissicherung durch aktives Zuhören zu gewährleisten und gegebenenfalls relevante Prozess-Schritte zu visualisieren.

Das dem Master-Studiengang Mediation und Konfliktmanagement zugrunde liegende gedankliche Konzept betrachtet Mediation als eine unter mehreren gleichberechtigten Formen der prozessorientierten Verfahrensbegleitung, die je nach spezifischen Charakteristika eines Falles differenziert eingesetzt werden sollten und bei Bedarf kombiniert werden können. Der Begriff des Konfliktmanagements bezeichnet den systematischen Umgang mit Konflikten, bei dem der Konfliktverlauf durch eine bewusste Gestaltung der Verfahrenswahl und des Konfliktbearbeitungsverfahrens gezielt beeinflusst wird. Das im Rahmen des Studienganges vermittelte Mediationsmodell wird damit als eigenständige, in sich geschlossene Verfahrensform und zugleich als Exempel für strukturierte Verfahrensgestaltung mit den zentralen Charakteristika Phasenstruktur, Verständnissicherung und Visualisierung behandelt. Letzteres soll es den Studierenden ermöglichen, über das klassische Mediationsverfahren hinaus die genannten Kernelemente auch als berufsrelevante Querschnittsfähigkeiten in anderen Zusammenhängen prozessorientierter Komplexitätsbewältigung einzusetzen. Deshalb spielt in vielen Ausbildungszusammenhängen auch Konfliktmanagement eine große Rolle.

Das angebotene Mediationsmodell erlaubt und fördert die privatautonome Gestaltung in Konflikten und Entscheidungssituationen. Zentrales Verfahrensprinzip ist deshalb die Parteien-Autonomie mit den Aspekten der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung der Parteien. Zur Entlastung und Unterstützung der Parteien übernimmt der Mediator die Prozessverantwortung, während die Parteien die Inhaltsverantwortung behalten. Mediation ermöglicht die Würdigung subjektiver Wirklichkeitssichten, statt Anspruch auf objektive Wahrheitsfindung zu erheben. Herzstück des Verfahrens ist deshalb die differenzierte Herausarbeitung der Interessenprofile aller Beteiligten. Das Recht spielt dabei in der Mediation die Rolle eines Orientierungsrahmens und möglichen Lösungsangebots ohne unmittelbare Unterwerfungsanordnung; zugleich bleibt die Inanspruchnahme der staatlichen Gerichtsbarkeit immer eine mögliche Verfahrensalternative. Eine wesentliche Aufgabe des Mediators ist es, über den Rahmen der (Rechts-) Positionen der Parteien hinaus durch Methoden der Kontexterweiterung und durch Kreativitätstechniken bislang übersehene Lösungsspielräume zu eröffnen und dadurch erhöhte Lösungsqualität und Wertschöpfung zu ermöglichen.

Der Erfolg einer Mediation wird nach der im Studiengang gelehrten Mediationsausbildung nicht vorrangig am Faktum einer Einigung gemessen, sondern vielmehr am Grad der durch den Prozess erreichten Interessenklärung sowie der Ausschöpfung der individuellen und gemeinsamen Lösungsspielräume.