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Studienschwerpunkt: Anwaltliche Tätigkeit

Konfliktbehandlung, Entscheidungsfindung, Rechtsgestaltung - Ab­schluss mit universitärem Zertifikat

Anwaltsrecht bedeutet in der juristischen Ausbildung fast immer anwaltliches Berufsrecht. Berufsfähigkeiten des Anwalts - Konfliktbehandlung durch Verhandeln und Vermitteln, Rechtsgestaltung und nicht zuletzt Ent­scheiden in komplexen Sachverhalten - werden dagegen weder an den Universitäten noch in der Re­fe­ren­dar­aus­bildung und nur äußerst unzureichend in der anwaltlichen Fortbildung vermittelt. Ein stärkerer Praxisbezug im Pflichtfachbereich (Mediation, Vertragsgestaltung, Prozeßstrategie einschließlich Straf­ver­tei­di­gung) wird z.B. auch im Bericht des Ausschusses der Justizministerkonferenz zur Koordinierung der Juristenausbildung gefordert. Für die Viadrina liegt darin eine Herausforderung, in besonderen Lehrveranstaltungen diesen Praxisbezug herzustellen. Rechtswissenschaft als Realwissenschaft kann nur davon profitieren, wenn die theoretische Ausbildung in praktischen Fähigkeiten gespiegelt und in den rechtstatsächlichen Zu­sam­men­hang gestellt wird. Gleichzeitig bilden eine Vielzahl von Disziplinen - von der Spieltheorie bis zur kog­ni­ti­ven Psychologie - die theoretische Fundierung für eine reflektierte Praxis.

Die hier beschriebenen Fähigkeiten sind natürlich auch für alle anderen juristischen Berufe relevant. Für Richter geht es insbesondere um Entscheidungsfindung und ihre kognitiven Fallen sowie um mediative Fähigkeiten bei der Suche nach Konsenslösungen. Verhandlung, Vertragsgestaltung und Mediation sind für JuristInnen in Verwaltung und freier Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Problemlösungsfähigkeiten sind die (angebliche) Stärke von Juristen in jeder beruflichen Tätigkeit.

Konflikte werden durch eine interkulturelle Prägung komplexer. Verträge mit internationalen Partner erfordern andere Gestaltungsprinzipien. Daher berücksichtigen die Bereiche Konfliktbehandlung und Rechtsgestaltung des Studienschwerpunktes in besonderem Maße, daß der Jurist sich zunehmend in einem internationalen Umfeld bewegt.

JuraSeminarFebr_2014_MG_5939 ©Heide Fest Pressestelle

Zu den einzelnen Elementen des Studienschwerpunktes werden Seminare bzw. Workshops angeboten. So­weit es nicht in erster Linie um Wissensvermittlung, sondern um die Entwicklung von Fähigkeiten geht (z.B. in Verhandeln oder Mediation), stehen Rollenspiele oder Simulationen im Vordergrund, die es den Teil­neh­mern ermöglichen, aus konkreten Erfahrungen zu lernen, die dann theoretisch rückgekoppelt werden.

Zusätzlich bieten u. U. ein neues Mediations-Zentrum und eine Kinderrechtsberatungs-Stelle in Frankfurt (Oder) den Studierenden die Möglichkeit, nach dem amerikanischen Modell der "Clinical Education" Praxis­erfahrungen in realen Konfliktsituationen zu sammeln und diese anschließend mit universitärer Unter­stüt­zung theoretisch zu reflektieren.

Der Studienschwerpunkt wird mit einem Universitätszertifikat abgeschlossen. Voraussetzung für den Erwerb des Zertifikats ist die erfolgreiche Teilnahme an insgesamt vier Seminaren bzw. Workshops des Stu­dien­schwer­punktes sowie ein Praktikum.

Koordinatoren des Studienschwerpunkts Anwaltliche Tätigkeit sind: Prof. Dr. Stephan Breidenbach und Prof. Dr. Ulla Gläßer.